Andacht

Gott und die Welt

Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirche!

Stellen Sie sich vor, Sie halten Ihre Lieblingsschokolade in der Hand. Die Versuchung ist groß: Schnell das zweite Stück hinterher, dann das dritte, und ehe man sich versieht, ist die ganze Tafel weg. Was bleibt? Ein mulmiges Gefühl im Bauch und die Erkenntnis, dass mehr nicht immer besser ist.

Genau diese menschliche Eigenschaft nimmt der Prediger Salomo im Alten Testament unter die Lupe. In Prediger 4, Vers 6 heißt es so treffend: „Besser eine Handvoll mit Ruhe als beide Hände voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Monatsspruch September)

cathy mu 6gbnkhFtKo unsplash webDieses Bild hat es in sich – egal in welchem Lebensabschnitt wir uns befinden. Wir leben in einer Welt, die uns ständig zuruft: „Nimm beide Hände! Pack noch mehr drauf! Höher, schneller, weiter!“ Wir spüren den Druck der Erwartungen, hegen Sorgen um die Zukunft und verheddern uns im Hamsterrad des Alltags. Wir klammern uns an volle Terminkalender, Erfolge und Absicherungen – nur um am Ende festzustellen, dass man mit zwei vollen Händen niemanden mehr umarmen kann. Und wer nach dem Wind greift, steht am Ende doch mit leeren Händen da.

Salomo plädiert hier keineswegs für Faulheit, sondern für ein gesundes Augenmaß. Eine Handvoll reicht oft völlig aus. Die eine Hand ist voll mit dem, was wir wirklich brauchen: unserem täglichen Brot, unserer Arbeit, unseren Aufgaben. Aber die andere Hand bleibt bewusst frei. Frei, um durchzuatmen. Frei, um die Hand eines anderen Menschen zu halten. Und frei, um Gott um Hilfe zu bitten oder einfach danke zu sagen.

Vielleicht ist heute der perfekte Tag für ein kleines Experiment: Lassen Sie eine Hand locker. Schließen Sie für einen Moment die Augen, atmen Sie tief durch und genießen Sie den Augenblick. Denn echter Frieden liegt nicht im Stapeln von Erfolgen, sondern im Genießen dessen, was schon da ist. Eine Handvoll Leben – aber die voller Dankbarkeit und Ruhe.

Kommen Sie gut durch die Zeit!

Prädikant Andreas Bechert